16 March 2026, 00:27

Brandenburgs Geburtenrate bricht ein: Warum immer weniger Frauen Kinder bekommen

Ein Plakat mit Text, der für das American Rescue Plan wirbt, um die Kinderarmut zu reduzieren, mit einem Bild einer Gruppe von Menschen.

Brandenburgs Geburtenrate bricht ein: Warum immer weniger Frauen Kinder bekommen

Brandenburgs Geburtenrate sinkt schneller als der Bundestrend

In den vergangenen fünf Jahren ist die Geburtenrate in Brandenburg stärker zurückgegangen als im deutschen Durchschnitt. 2024 kamen im Land nur noch 1,35 Kinder pro Frau zur Welt – ein Rückgang um rund 5 Prozent im Vergleich zu 1,42 im Jahr 2020. Bundesweit lag der Rückgang bei 3 Prozent. Doch die Entwicklung verläuft ungleich: Einige Regionen haben deutlich größere Schwierigkeiten, junge Familien zu unterstützen.

Besonders stark war der Rückgang in der Uckermark (1,25 Kinder pro Frau) und im Landkreis Oder-Spree (1,28). Potsdam liegt mit 1,52 zwar über dem Landesdurchschnitt, doch selbst dieser Wert bleibt deutlich unter der für eine stabile Bevölkerungsentwicklung notwendigen Ersatzrate von 2,1 Kinder pro Frau. Experten warnen vor langfristigen demografischen Folgen.

Finanzielle Belastungen als Hauptgrund für sinkende Geburtenzahlen Ein zentraler Faktor für die Entscheidung, weniger Kinder zu bekommen, sind wirtschaftliche Zwänge. Hohe Kita-Gebühren und geringe Kindergeldleistungen belasten die Haushaltskassen – besonders in ländlichen Gebieten. Sabina Wüsten vom Bündnis Rettet die Familie fordert monatliche staatliche Zahlungen von 1.200 Euro an junge Eltern, um die finanzielle Last zu verringern.

Versorgungslücken im Gesundheitswesen verschärfen die Probleme Auch der Zugang zu medizinischer Versorgung stellt viele Familien vor Herausforderungen. Schwangere in abgelegenen Regionen sorgen sich, ob sie rechtzeitig ein Krankenhaus erreichen, wenn die Wehen einsetzen. Gleichzeitig fehlt es an Gynäkologen und Kinderärzten – etwa in Pritzwalk –, was die grundlegende Betreuung beeinträchtigt. Verzögerungen bei der Bearbeitung von Anträgen auf Elterngeld treiben Familien zusätzlich in finanzielle Not.

Kita-Politik als weiteres Hindernis Die Kürzung der Betreuungszeiten in Kitas von zehn auf acht Stunden pro Tag passt nicht zu den Bedürfnissen von Eltern mit langen Arbeitswegen oder Schichtdienst. Matthias Milke vom Landesverband der Familienorganisationen drängt die Politik, ein Aktionsprogramm gegen Kinderarmut zu entwickeln. Sabina Schmok, Leiterin der Landeskoordinierungsstelle des Gesunde Kinder-Netzwerks, unterstützt Forderungen nach grundlegenden systemischen Reformen.

Ohne gezielte Maßnahmen droht der Negativtrend anzudauern Der Rückgang der Geburtenzahlen in Brandenburg ist das Ergebnis wirtschaftlicher und struktureller Probleme. Fehlende Unterstützung – wie höhere Zuschüsse, bessere medizinische Versorgung und flexiblere Kinderbetreuung – setzt junge Familien weiter unter Druck. Bleiben diese Herausforderungen ungelöst, wird sich die aktuelle Entwicklung voraussichtlich verschärfen.

AKTUALISIERUNG

Brandenburgs Geburtenrate erreicht 2024 einen Wert von 1.33, während der Sterbeüberschuss neue Rekordhöhen erreicht

Neue Statistiken bestätigen, dass Brandenburgs Geburtenrate auf 1.33 Kinder pro Frau im Jahr 2024 gesunken ist, verglichen mit 1.35 im Jahr 2020. Die Region verzeichnete einen Sterbeüberschuss von 20.100 - den zweithöchsten seit der Wiedervereinigung - ohne dass ein Landkreis einen Geburtenüberschuss aufwies. Potsdams Fruchtbarkeitsrate sank auf 1.13, deutlich unter dem ursprünglich gemeldeten Wert von 1.52.