Deutsche Industrie flieht ins Ausland – und lässt Arbeitsplätze zurück
Gebhard auch SchlauchinDeutsche Industrie flieht ins Ausland – und lässt Arbeitsplätze zurück
Deutsche Industrieunternehmen verlagern ihre Produktion und Forschung zunehmend ins Ausland. Hohe Lohnkosten, Bürokratie und Energiepreise treiben diese Entwicklung voran. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die meisten Unternehmen bis 2030 ihre Aktivitäten in Indien und anderen globalen Märkten ausbauen wollen – während die Arbeitsplatzentwicklung im Inland nur begrenzt wächst.
Eine Studie der Unternehmensberatung Horváth und des Handelsblatts belegt, dass nahezu 1.000 Unternehmen auf global verteilte Produktionsnetzwerke setzen. Viele verlegen zudem ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in Regionen wie China und setzen dabei auf das Prinzip „local for local“. Lieferkettenstörungen, steigende Zölle und Handelsbarrieren zwingen die Firmen, näher an ihren Absatzmärkten zu produzieren.
Bis Anfang 2026 hatte die deutsche Industrie bereits 127.300 Stellen abgebaut – ein Rückgang um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2019 summiert sich der Arbeitsplatzverlust auf 341.500. Der Chemiekonzern Evonik kündigte kürzlich an, weitere 3.200 Stellen zu streichen, vor allem in Deutschland.
Rund 40 Prozent der Investitionsbudgets bis 2030 fließen zwar weiterhin in deutsche Standorte, vor allem in Automatisierung und die Instandhaltung bestehender Werke. Neue Kapazitäten und Arbeitsplätze entstehen jedoch überwiegend im Ausland. Nur 16 Prozent der Unternehmen planen, in Deutschland zusätzliches Personal einzustellen. Dabei liegen die Lohnkosten hierzulande 22 Prozent über dem EU-Durchschnitt und sind mehr als doppelt so hoch wie in Asien oder Osteuropa.
Der Trend deutet auf ein schwaches Umsatzwachstum in Deutschland hin, während Märkte wie Indien stark expandieren. Im Inland werden kaum neue Jobs geschaffen, da Unternehmen auf Kosteneffizienz und lokale Produktion im Ausland setzen. Die Entwicklung spiegelt die tiefgreifenden Herausforderungen wider, vor denen der deutsche Industriestandort steht.
