EMAF Osnabrück zeigt umstrittenen Film trotz Antisemitismus-Vorwürfen gegen Künstlerin
Madlen ScholzEMAF Osnabrück zeigt umstrittenen Film trotz Antisemitismus-Vorwürfen gegen Künstlerin
European Media Art Festival in Osnabrück zeigt trotz Antisemitismus-Vorwürfen Film palästinensischer Künstlerin
Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück hat beschlossen, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Al-Sharif zu zeigen – trotz anhaltender Antisemitismus-Vorwürfe gegen sie. Die Entscheidung hat eine Debatte unter lokalen Politikern ausgelöst: Während einige die Auswahl des Festivals kritisieren, verteidigen andere die künstlerische Freiheit.
Die Kontroverse bezieht sich dabei nicht auf Al-Sharifs Film Morning Circle, sondern auf ihre politischen Äußerungen in sozialen Medien, darunter ihre Unterstützung für die Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionen-Bewegung (BDS) sowie ein Halloween-Post, auf dem sie in einem an Hamas angelehnten Kostüm zu sehen ist.
Die Programmierung des Films erfolgt im Rahmen des diesjährigen EMAF-Mottos An Incomplete Assembly ("Eine unvollendete Versammlung"), das die Balance zwischen künstlerischem Ausdruck und Verantwortung thematisiert. Das Festival hat eine Tradition darin, palästinensische Künstler:innen zu präsentieren, während es gleichzeitig jüdische und israelische Perspektiven in sein Programm aufnimmt.
Wolfgang Beckermann, Kulturdezernent der Stadt Osnabrück, äußerte Bedenken gegenüber der Vorstellung von Al-Sharifs Werk. Er argumentiert, das Festival solle Plattformen vermeiden, die als Förderung von Antisemitismus wahrgenommen werden könnten. Seine Haltung entspricht der breiten politischen Ablehnung von BDS in Deutschland, wo eine Bundestagsresolution von 2019 die Bewegung als antisemitisch einstuft und die öffentliche Förderung von Israel-boykottierenden Gruppen einschränkt.
Die Landesregierung betont zwar, die Programmfreiheit des Festivals zu respektieren, verurteile Antisemitismus jedoch entschieden. Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken in Osnabrück, entgegnete hingegen, dass das Unterdrücken palästinensischer Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismus-Bekämpfung kaum zum Frieden im Nahen Osten beitrage.
Sowohl die Stadt Osnabrück als auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) haben sich öffentlich von der EMAF-Entscheidung distanziert. Das Festival hält jedoch an seiner Position fest und begründet die Aufnahme von Al-Sharifs Film als Teil einer größeren Debatte über künstlerische Freiheit und politische Verantwortung.
In den vergangenen Jahren sah sich BDS in Deutschland massiver Kritik ausgesetzt, etwa von Kultureinrichtungen wie dem Goethe-Institut und den Berliner Festspielen, die vorwerfen, Antisemitismus-Vorwürfe würden instrumentalisiert, um Debatten zu unterdrücken. Dennoch bleibt BDS Berlin aktiv und setzt sich weiterhin für palästinensische Rechte ein – begleitet von anhaltenden Protesten und öffentlichen Diskussionen.
Die Vorstellung von Morning Circle wird wie geplant stattfinden, wobei der Fokus auf dem Film selbst und nicht auf Al-Sharifs Social-Media-Aktivitäten liegen soll. Die Entscheidung des Festivals hat die Spannungen zwischen Meinungsfreiheit und dem Kampf gegen Antisemitismus verdeutlicht, wobei lokale und regionale Verantwortungsträger unterschiedliche Standpunkte vertreten.
Während die Landesregierung die Autonomie des Festivals betont, bekräftigt sie zugleich ihre Ablehnung von Antisemitismus in jeder Form. Die Debatte spiegelt die bundesweiten Diskussionen über politischen Aktivismus, Kulturförderung und die Grenzen künstlerischer Auseinandersetzung wider.






