Experten fordern: Wälder und Moore sollen kritische Infrastruktur werden
Gunda JopichExperten fordern: Wälder und Moore sollen kritische Infrastruktur werden
Ein Expertengremium, das die deutsche Bundesregierung berät, fordert eine Neuausrichtung bei der Definition kritischer Infrastruktur. Demnach sollen Ökosysteme wie Seen, Wälder und Moore künftig gleichberechtigt neben Straßen und Energienetzen eingestuft werden. Ziel des Vorhabens ist es, natürliche Systeme zu schützen, die für das Funktionieren der Gesellschaft unverzichtbar sind und vor Katastrophen bewahren.
Bisher umfasst kritische Infrastruktur vor allem vom Menschen geschaffene Anlagen wie Schienennetze, Stromversorgung und Wassersysteme. Das Bundesinnenministerium definiert diese als Einrichtungen, deren Ausfall zu schweren Versorgungsengpässen oder anderen Krisen führen könnte.
Das Gremium betont jedoch, dass natürliche Infrastruktur eine ebenso zentrale Rolle spielt. Ökosysteme wirken als Puffer gegen Hitzewellen, Pandemien und Extremwetter – sie bilden die Lebensgrundlage und sind essenziell für den Zivilschutz. Um dies widerzuspiegeln, empfiehlt der Bericht, natürliche Infrastruktur rechtlich als kritisch anzuerkennen. Damit erhielten Behörden die Möglichkeit, sie vor schädlichen Eingriffen zu bewahren.
Zu den weiteren Vorschlägen gehören die bundesweite Kartierung wichtiger Naturgebiete sowie der Aufbau von Frühwarnsystemen, um schleichende Ökosystemverluste frühzeitig zu erkennen. Zudem schlägt der Bericht vor, das Bewusstsein für Umweltrisiken in die militärische Ausbildung zu integrieren. Der Nationale Sicherheitsrat sollte dann den Schutz dieser natürlichen Ressourcen priorisieren.
Bei der Finanzierung regen die Autoren an, sowohl öffentliche als auch private Mittel zu nutzen. Unternehmen sollen ermutigt werden, Klimarisiken anzuerkennen und freiwillig in Schutzmaßnahmen zu investieren. Darüber hinaus rät der Bericht zu einem globalen Umstieg auf erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft – sowohl zur Emissionsreduktion als auch aus wirtschaftlichen Gründen.
In der Entwicklungspolitik verweist das Gremium auf die Coral Triangle Initiative als Vorbild. Das Projekt zeige, wie lokale Führungskräfte den Ökosystemschutz wirksam stärken können.
Die Empfehlungen zielen darauf ab, natürliche Infrastruktur rechtlich gleichzustellen mit klassischen Infrastrukturbereichen. Dies würde einen besseren Schutz für Ökosysteme ermöglichen, die die Gesellschaft tragen und Risiken mindern. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen zudem die Finanzierung sichern und Umweltvorsorge in die allgemeine Politik einbetten.
