EZB-Chefin Lagarde präsentiert Notfallplan gegen die neue Ölpreis-Inflation
Gunda JopichEZB-Chefin Lagarde präsentiert Notfallplan gegen die neue Ölpreis-Inflation
Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), hat einen dreistufigen Plan vorgelegt, um die durch Energiepreise angetriebenen Inflationsschocks zu bekämpfen. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund stark steigender Ölpreise, die durch die Iran-Krise und die Blockade der Straße von Hormus ausgelöst wurden. Die Kosten für Rohöl haben bereits die früheren Prognosen der EZB übertroffen und den Preis für Brent-Rohöl bis Ende März auf über 116 US-Dollar pro Barrel getrieben.
Die Störungen folgen auf Monate der Instabilität im globalen Schiffsverkehr. Angriffe der Huthi-Rebellen Ende 2023 zwangen die Hälfte des Verkehrs durch den Suezkanal zur Umleitung, und trotz US-Luftangriffen und diplomatischer Bemühungen erholten sich die Handelsströme nie vollständig. Nun verschärft sich die Lage in der Straße von Hormus weiter – die EZB steht damit unter neuem Handlungsdruck.
Lagdardes erster Ansatz sieht vor, kurzfristige Energieschocks zu ignorieren. Laut EZB könnte eine Reaktion auf vorübergehende Preissprünge mehr schaden als nützen, da geldpolitische Maßnahmen Zeit brauchen, um zu wirken. Steigt die Inflation zwar stark an, flaut aber schnell wieder ab – etwa auf rund 4 Prozent, bevor sie sinkt –, wäre nur minimaler Eingriff nötig.
Als zweiten Schritt plant die EZB, bei größeren, aber vorübergehenden Abweichungen von ihrem Inflationsziel behutsam gegenzusteuern. Dabei soll vermieden werden, die Märkte durch widersprüchliche Signale zu verunsichern. Ziel ist es, unnötige Volatilität zu verhindern und gleichzeitig die Inflationserwartungen stabil zu halten.
Ein dritter, deutlich schärferer Kurs würde greifen, falls die Inflation über Jahre hoch bleibt. In diesem schweren Szenario blieben sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation mehr als zwei Jahre erhöht – die EZB müsste dann entschlossen handeln. Ein solcher Schritt würde die Wirtschaft zwar tiefer in die Rezession treiben, wäre aber notwendig, um die Inflation wieder unter Kontrolle zu bringen.
Der aktuelle Ölpreisanstieg entspricht weitgehend den pessimistischsten Prognosen der EZB. Seit Anfang März ist der Preis für Brent-Rohöl von etwa 92 auf über 116 US-Dollar pro Barrel gestiegen – ein Anstieg, der die Basisszenarien der Bank deutlich übertrifft. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat 400 Millionen Barrel aus den Reserven freigegeben, um die Lage zu entspannen, doch die Märkte bleiben nervös. Gleichzeitig warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seiner jüngsten globalen Konjunkturprognose vor einer düsteren Kombination: höhere Preise und schwächeres Wachstum, solange sich der Iran-Konflikt hinzieht.
Engpässe im Schiffsverkehr verschärfen die Krise zusätzlich. Die Straße von Hormus, eine kritische Engstelle für den Ölexport, ist zunehmend von Störungen bedroht. Da der Verkehr durch den Suezkanal weiterhin eingeschränkt ist, geraten die Energiemärkte unter weiteren Druck – mit Sorgen vor anhaltend hoher Inflation.
Die EZB steht nun vor einem Balanceakt. Bleiben die Ölpreise hoch, könnte die Bank gezwungen sein, kräftiger einzugreifen – auf die Gefahr hin, die wirtschaftliche Abkühlung zu verstärken. Die Warnungen des IWF vor Stagnation und steigenden Kosten deuten darauf hin, dass die Herausforderung über Europa hinausgeht.
Lagdardes Strategie bietet zwar eine Roadmap, doch ihr Erfolg hängt davon ab, wie lange die Energiekrise anhält. Derzeit beobachtet die EZB die Entwicklung genau und ist bereit, ihre Politik anzupassen, sobald sich die Rahmenbedingungen ändern.






