14 March 2026, 14:32

Gibt es Sienna Rose wirklich – oder ist sie nur eine KI-Erfindung?

Ein Mann im Anzug und Krawatte spricht vor einer Wand in ein Mikrofon, wahrscheinlich in Reaktion auf die Nachricht über ein Gesetz, das das Internet verbieten soll.

AI-Sängerin: Wer ist Sienna Rose - und warum sucht das Internet nach ihr? - Gibt es Sienna Rose wirklich – oder ist sie nur eine KI-Erfindung?

Die rätselhafte Soul-Sängerin Sienna Rose hat auf Spotify fast zwei Millionen monatliche Hörer gesammelt – doch immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass es sie überhaupt nicht gibt. Untersuchungen legen nahe, dass es sich bei ihr um eine künstlich generierte Künstlerin handelt, die von einem russischen Internet-Label zu kommerziellen Zwecken erschaffen wurde.

Die Zweifel an Sienna Roses Existenz begannen, als Nutzer im Internet seltsame Details entdeckten: Sie veröffentlicht Songs in einem ungewöhnlich schnellen Tempo, tritt nie live auf und hat kaum Präsenz in sozialen Medien. Ihr Spotify-Profil zeigt eine junge Frau mit Afro-Look und tiefbraunen Augen, beschrieben als "Geschichtenerzählerin des Herzens". Doch als das Investigativteam des Bayerischen Rundfunks genauer nachforschte, führte die Spur zu Nostalgic Records – einem russischen Label, das auf KI-generierte Acts spezialisiert ist – und dem Produzenten Maksim Muravjov.

Muravjov steht in Verbindung mit Hafsteinn Runarsson, einem KI-Experten, der für die Erschaffung mehrerer Pop-Avatare bekannt ist. Runarsson hat zudem Kurse zum Thema "Monetarisierung künstlicher Intelligenz" geleitet – was die Skepsis weiter schürt. Nach den Enthüllungen verschwand die ursprüngliche Version von Sienna Rose mit roten Haaren aus den sozialen Medien, während die Afro-tragende Variante weiterhin auf Spotify aktiv ist.

Unterdessen steigerte Selena Gomez unbewusst die Bekanntheit von Sienna Rose, indem sie in einem Instagram-Post einen ihrer Songs verwendete. Der Clip ging viral – löste aber auch Spott aus, da viele Nutzer die Echtheit der Sängerin anzweifelten. Trotz der Skepsis schätzt die BBC, dass ihre Macher wöchentlich über 2.000 Euro einnehmen – was hochgerechnet etwa eine Million pro Jahr ergibt.

Die Debatte flammt auf, während Streaming-Plattformen verstärkt gegen KI-generierte Inhalte vorgehen. Apple Music nutzt bereits "Transparenz-Kennzeichnungen", um KI-Musik, -Kunst und -Videos zu markieren, und Spotify plant die Erkennung über den DDEX-Metadaten-Standard. Deezer behauptet, seine Systeme würden bereits bis zu 85 Prozent betrügerischer KI-Inhalte blockieren und lizenziert die Technologie an Dritte.

Der YouTuber Rick Beato warf Spotify kürzlich vor, KI-Musik aus Profitinteresse zu pushen – mit dem Hinweis, dass 97 Prozent der Hörer keinen Unterschied erkennen könnten. Angesichts von Millionen täglich hochgeladener Tracks warnt die UNESCO, dass menschliche Musiker bis 2028 bis zu 24 Prozent des Marktes an gefälschte Künstler verlieren könnten.

Der Fall Sienna Rose zeigt, wie schwer es wird, echte Künstler von KI-Kreationen zu unterscheiden. Streaming-Dienste führen nun strengere Erkennungs- und Kennzeichnungssysteme ein, um Betrug zu bekämpfen. Doch je überzeugender KI-Musik wird, desto hitziger wird die Diskussion über ihre Auswirkungen auf die Branche – und ihre Profitabilität.

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