RAW-Gelände in Berlin: Kulturelles Erbe droht nach gescheiterten Verhandlungen zu verschwinden
Gunda JopichRAW-Gelände in Berlin: Kulturelles Erbe droht nach gescheiterten Verhandlungen zu verschwinden
Die Zukunft des RAW-Geländes in Berlin-Friedrichshain bleibt ungewiss
Nach fast elf Jahren Verhandlungen mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg steht die Zukunft des RAW-Geländes weiter in den Sternen. Das soziokulturelle Zentrum, seit Langem ein Hotspot für kreative und subkulturelle Szenen, droht nun nach dem Scheitern der Gespräche geschlossen zu werden. Noch am vergangenen Wochenende war das Gelände lebendig – mit einer öffentlichen Übertragung eines Fußballspiels.
Die Kurth Gruppe hatte das Areal 2015 erworben und versuchte seither, wirtschaftliche Entwicklung mit dem Erhalt des kulturellen Kerns zu vereinen. Kritik gab es immer wieder, da das Unternehmen zwar profitablere Projekte vorantrieb, gleichzeitig aber die subkulturelle Identität des Ortes bewahren wollte.
2022 schien ein Durchbruch möglich: Der Bezirk bot im Gegenzug für den Schutz des sogenannten „kulturellen L“ einen 100 Meter hohen Büroturm an. Doch die Einigung platzte. 2023 wurden die Verhandlungen wiederaufgenommen, und bis Mai sollte eine Lösung stehen – doch der Bezirk verweigerte vorzeitige Baugenehmigungen.
In diesem Jahr brach die Kurth Gruppe die Gespräche schließlich ganz ab. Das Unternehmen warf dem Bezirk vor, Mitte Mai einen Rahmenvertrag vorgelegt zu haben, der frühere Absprachen ignorierte und einzig Berlins Interessen bediente. Nun plant das Unternehmen stattdessen den Bau von Wohnungen.
Florian Falkenhagen, Geschäftsführer des Clubs Cassiopeia, erhielt mündlich die Kündigung – der Club muss trotz gezahlter Miete bis Ende des Monats räumen. Der Eigentümer erklärte den Planungsprozess für endgültig gescheitert, was mehrere Projekte, darunter Cassiopeia, zur Aufgabe zwingt.
Ohne Unterstützung des Bezirks und ohne abgeschlossenen Bebauungsplan kann der Investor seine ursprünglichen Pläne nicht umsetzen. Das Scheitern der Verhandlungen bedeutet, dass die kulturellen Räume auf dem RAW-Gelände bald verschwinden könnten. Mieter wie der Cassiopeia-Club stehen nun vor einer ungewissen Zukunft – und müssen nach neuen Standorten suchen.






