Berlins Clubkultur feiert sich selbst – ein Festival voller Legenden und Debatten
Ida BlochBerlins Clubkultur feiert sich selbst – ein Festival voller Legenden und Debatten
Berlins Clubkultur steht diesen Herbst im Mittelpunkt – beim Tag der Clubkultur, der vom 3. bis 12. Oktober stattfindet. Mit über 100 Veranstaltungen in der ganzen Stadt zeigt das Festival, wie das Nachtleben und die Politik die Hauptstadt seit dem Mauerfall geprägt haben. Organisiert wird es von der Clubkommission Berlin.
Das Programm umfasst legendäre Locations wie den KitKat Club, die Cassiopeia, das Goldengate und den Ohm, aber auch kleinere Pop-up-Spaces in Bezirken von Neukölln bis Wedding. Ein Highlight ist das Haus der Visionäre, wo der Club der Visionäre und das CTM-Festival am 2. Oktober von 22 Uhr bis 8 Uhr morgens eine durchgehende Nacht veranstalten.
Am 3. Oktober findet im Kwia am Neuköllner Maybachufer die Veranstaltung Brücken bauen: Geschichten in Klang statt, bei der Mark Reeders Dokumentarfilm B-Movie gezeigt wird. Der Film beleuchtet, wie der Fall des Eisernen Vorhangs Berlins Underground-Szene befeuerte – mit Techno, der in verlassenen Ost-Berliner Räumen explodierte. Clubs wie das Tresor (1991 von Dimitri Hegemann gegründet) oder das UFO wurden zu Legenden, während die erste Love Parade im selben Jahr den Start einer globalen Bewegung markierte.
Das Festival setzt sich auch mit dem gesellschaftlichen Einfluss der Clubkultur auseinander. Im Tipsy Bear in Prenzlauer Berg gibt es am 4. Oktober um 17 Uhr eine queere Drag-Show. Daneben werden in Diskussionen und Performances die Fragen erörtert, wie Feiern das Zusammenleben widerspiegelt – und herausfordert.
Berlins Techno-Wurzeln reichen bis 1989 zurück, als leere Ost-Berliner Gebäude zu Rave-Zentren wurden. Die Szene breitete sich nach Westen aus – in Bezirke wie Kreuzberg (Heimat von Vor-Wende-Locations wie dem SO36), Prenzlauer Berg und darüber hinaus. Diese Orte prägten die Stadt als weltweite Techno-Hauptstadt, in der sich Einflüsse aus Detroit mit lokaler Energie verbanden.
Der Tag der Clubkultur bietet eine Mischung aus Geschichte, Musik und Debatte in Berlins Nachtleben-Landschaft. Das vollständige Programm mit Zeiten und Orten gibt es unter tagderclubkultur.berlin. Das Festival zeigt, wie drei Jahrzehnte Clubkultur unauslöschliche Spuren in der Identität der Stadt hinterlassen haben.






