Brandenburgs Antisemitismus-Beauftragter verlässt nach jahrelangen Konflikten die Linke
Ida Bloch"Ich halte es nicht mehr aus": Anti-Semitismus-Beauftragter verlässt Linke - Brandenburgs Antisemitismus-Beauftragter verlässt nach jahrelangen Konflikten die Linke
Andreas Büttner, der Antisemitismus-Beauftragte Brandenburgs, ist nach Jahren der Mitgliedschaft aus der Linkspartei ausgetreten. Sein Rückzug erfolgt nach anhaltenden Streitigkeiten über die Haltung der Partei zum Antisemitismus und deren Umgang mit internen Konflikten. Büttner nannte anhaltende verbale Angriffe, verzögerte Reaktionen auf Übergriffe sowie die Ablehnung zentraler Antisemitismus-Definitionen durch die Partei als Hauptgründe für seinen Austritt.
Büttner war 2015 der Linkspartei beigetreten, nachdem er zuvor Mitglied der CDU und der FDP gewesen war. Von 2009 bis 2014 sowie erneut von 2019 bis 2024 saß er für Brandenburg im Landtag. In seiner Rolle als Antisemitismus-Beauftragter des Landes geriet er zunehmend in Widerspruch zu den Parteipositionen, insbesondere zur Weigerung, die Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) zu übernehmen.
Die IHRA-Definition wird seit 2019 von den meisten großen deutschen Parteien unterstützt, darunter SPD, Grüne, CDU/CSU und FDP. Die Linkspartei lehnt sie jedoch wiederholt ab mit der Begründung, sie sei zu weit gefasst und beschränke die Israel-Kritik. Stattdessen verabschiedete die Partei die Jerusalemer Erklärung, die Büttner zufolge bestimmte antisemitische Erzählungen verharmlost.
Büttner schilderte jahrelange verbale Angriffe und Verleumdungen durch Parteikollegen, die schließlich in ein laufendes Parteiausschlussverfahren gegen ihn mündeten. Er bezeichnete es als absurd, dass ein Antisemitismus-Beauftragter des Landes wegen der Thematisierung von Antisemitismus mit einem Ausschluss bedroht werde. Seine Verärgerung wuchs, nachdem die Partei nach einem Angriff auf ihn erst mit dreitägiger Verspätung eine öffentliche Stellungnahme veröffentlichte.
Der endgültige Bruch erfolgte, als die Parteiführung der Linken die Konflikte nicht angemessen aufarbeitete. Büttner verurteilte ihre Haltung zum Antisemitismus als grundlegend fehlerhaft und erklärte seine weitere Mitgliedschaft für unhaltbar.
Büttners Austritt unterstreicht die tiefen Gräben innerhalb der Linkspartei in der Antisemitismus-Politik. Sein Rückzug folgt auf eine lange Phase innerparteilicher Auseinandersetzungen, während das Parteiausschlussverfahren gegen ihn noch anhängig ist. Der Streit spiegelt darüber hinaus die größeren politischen Spannungen in Deutschland wider, wenn es um die Definition und Bekämpfung von Antisemitismus geht.