ARD und ZDF setzen auf persönliches Storytelling für junge Zuschauer:innen – aber um welchen Preis?
Gebhard auch SchlauchinARD und ZDF setzen auf persönliches Storytelling für junge Zuschauer:innen – aber um welchen Preis?
ARD und ZDF experimentieren mit neuen Reportage-Formaten, um jüngere Zuschauer zu gewinnen
Die öffentlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF testen derzeit innovative Reportage-Stile, die vor allem ein jüngeres Publikum zwischen 14 und 29 Jahren ansprechen sollen. Statt klassischer Neutralität setzen diese Formate auf persönliches Storytelling, bei dem die Reporter:innen selbst im Mittelpunkt der Erzählung stehen. Ziel ist es, Nachrichten für die junge Zielgruppe greifbarer und nahbarer zu gestalten.
Doch der Ansatz wirft Fragen nach der Ausgewogenheit auf. Zwar zieht Authentizität junge Zuschauer:innen an, doch Kritiker:innen warnen, dass eine zu starke Fokussierung auf die Perspektive der Reporter:innen die eigentliche Geschichte in den Hintergrund drängen könnte.
Fünf Formate führen das Experiment derzeit an: VOLLBILD, exactly, Ultraviolett stories, Crisis – Hinter der Front und PULS Reportage. Alle setzen auf einen emotional geprägten Stil, in dem die Stimme und die Erlebnisse der Reporter:innen im Vordergrund stehen. Erste Rückmeldungen deuten darauf hin, dass junge Zuschauer:innen die Ehrlichkeit und Nähe schätzen – und diese Sendungen als glaubwürdiger empfinden als distanzierte, traditionelle Berichterstattung.
Gleichzeitig birgt das Format Herausforderungen. Einige Serien kämpfen damit, inhaltliche Tiefe zu wahren, während investigative Recherche und Kontext oft zu kurz kommen. Dominiert die subjektive Sicht der Reporter:innen, droht das eigentliche Thema aus dem Blick zu geraten. Die Sender stehen nun vor der Aufgabe, persönliche Ansprache und fundierten Journalismus so zu verbinden, dass keines der beiden Elemente auf Kosten des anderen geht.
Der Innovationsdruck wächst, da junge Zuschauer:innen zunehmend vom linearen Fernsehen abwandern. Klassische Formate wie funk verlieren an Reichweite, während etablierte Sendungen wie Terra X weiterhin erfolgreich sind. 2023 verzeichnete Terra X im linearen Fernsehen durchschnittlich 3,55 Millionen Zuschauer:innen (14,8 Prozent Marktanteil), während die Abrufe in der Mediathek von 6,34 Millionen im Jahr 2010 auf über 30 Millionen im vergangenen Jahr stiegen. Der YouTube-Kanal der Sendung kam auf 175 Millionen Aufrufe. Doch für die junge Zielgruppe könnte die Anziehungskraft persönlicher Erzählweisen genauso entscheidend sein wie hohe Einschaltquoten.
Die neuen Formate haben bereits erste Erfolge bei jungen Zuschauer:innen erzielt, die Authentizität über traditionelle Neutralität stellen. Allerdings mehren sich Anzeichen von Ermüdung – manche zeigen sich müde von zu selbstbezogenen Erzählweisen. Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen ihren Ansatz nun verfeinern und sicherstellen, dass emotionale Storytelling nicht auf Kosten von Substanz oder journalistischer Sorgfalt geht.






