Tanktourismus explodiert: Deutsche fahren für billigen Sprit nach Polen
Gebhard auch SchlauchinTanktourismus explodiert: Deutsche fahren für billigen Sprit nach Polen
Polens neue Spritpreisdeckel lösen Run auf günstigen Kraftstoff aus – deutsche Autofahrer strömen über die Grenze
Die neuen staatlichen Preisobergrenzen für Kraftstoffe in Polen haben eine Welle des sogenannten "Tanktourismus" ausgelöst: Deutsche Autofahrer machen sich auf den Weg in den Osten, um von den deutlich niedrigeren Preisen für Benzin und Diesel zu profitieren. Die Maßnahme der Mitte-links-Regierung unter Ministerpräsident Donald Tusk soll Verbrauchern in Zeiten steigender Ölpreise – ausgelöst durch die Spannungen im Iran-Konflikt – finanziell entlasten. Gleichzeitig bilden sich an den Grenzübergängen lange Staus, verschärft durch den Osterreiseverkehr und kürzlich wieder eingeführte Grenzkontrollen.
Schon vor Inkrafttreten der Preisdeckel am 31. März 2024 war Sprit in Deutschland teurer als im Nachbarland Polen. Während ein 60-Liter-Dieseltank in Berlin und Brandenburg rund 138 Euro kostete, waren es auf polnischer Seite bei Kostrzyn nur etwa 106 Euro. Selbst nach Abzug der Fahrtkosten sparten Autofahrer durch den Grenzübertritt rund 12 Euro bei Diesel und bis zu 40 Euro bei Super E10.
Nach den neuen Vorschriften darf Normalbenzin in Polen nicht mehr als 6,16 Złoty pro Liter (ca. 1,44 Euro) kosten, Premiumkraftstoff ist auf 6,76 Złoty (1,58 Euro) und Diesel auf 7,60 Złoty (1,77 Euro) gedeckelt. Die deutlichen Preisunterschiede locken Scharen von Käufern an: An polnischen Tankstellen und Grenzübergängen bildeten sich am Dienstag lange Schlangen. Auch Deutschland hat reagiert – hier dürfen Tankstellen seit Kurzem Preiserhöhungen nur noch einmal täglich, mittags, vornehmen, um Schwankungen einzudämmen und mehr Transparenz zu schaffen.
Durch die Osterfeiertage könnte sich die Situation weiter zuspitzen, da Pendler, Lkw-Fahrer und Urlaubsreisende das Verkehrsaufkommen erhöhen. Die wirtschaftlichen Folgen des Tanktourismus sind jedoch noch unklar: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) betont, dass mögliche Effekte bisher spekulativ und schwer messbar seien.
Fest steht: Die polnischen Preisdeckel machen Sprit deutlich günstiger als in Deutschland – und treiben damit noch mehr Autofahrer über die Grenze. Die daraus resultierenden Staus, kombiniert mit Osterreiseverkehr und Grenzkontrollen, werden voraussichtlich noch einige Tage anhalten. Beide Regierungen haben zwar Schritte unternommen, um die Preise zu stabilisieren, doch die langfristigen Auswirkungen der Maßnahme bleiben abzuwarten.






